Bericht von der 1. Mai-Kundgebung in Stuttgart-Ost

Zum diesjährigen Arbeiter*innenkampftag beteiligte sich die FAU Stuttgart an der Kundgebung „#Solidarität – für ein solidarisches Miteinander“ in Stuttgart-Ost und steuerte zum 1.Mai-Fest des Stadtteilzentrum Gasparitsch einen Online-Vortrag bei.

Über 100 Menschen kamen zur Kundgebung am Lukasplatz. Mehrere Redebeiträge wechselten sich ab mit dem stimmungsvollen musikalischen Programm der Saxophonistin Moni Ramoni und sorgten für eine abwechslungsreiche Atmosphäre.

Der Redebeitrag der FAU Stuttgart schlug den Bogen vom historischen Ursprung des 1. Mai als Kampftag der Arbeiter*innenbewegung für den 8-Stunden-Tag hin zur Gegenwart unter dem Motto »30-Stunden-Woche für alle!«, das heißt weniger arbeiten, aber gleich viel verdienen um unsere Ausbeutung durch die kapitalistische Klasse zu begrenzen. In Zeiten der Corona-Pandemie verschärften sich unsere Arbeitszeitbedingungen, so der Redner der FAU Stuttgart: „Geradezu massenhaft stürzten sich die Chefs auf die Möglichkeit, Arbeiter*innen zeitweise nach Hause zu schicken. Dafür gab es Geld von der Arbeitsagentur, also vom Staat. Diejenigen von uns, die während dieser Zeit auf Arbeit waren, mussten oft das Doppelte leisten. Dies ist Klassenkampf, aber das ist der von oben, das ist der Klassenkampf gegen uns: Die Chefs lassen uns in weniger Zeit mehr schuften und kriegen dafür über den Staat also noch unser Geld ins Maul gestopft. Was kommt dabei raus? Richtig! Fette Gewinne zum Jahreswechsel – wie zum Beispiel beim Daimler hier in Stuttgart. Das ist nicht das, was wir wollen!

Er machte aber auch klar, dass wir dies nicht einfach so hinnehmen müssen und es Alternativen zu diesen Methoden der Chef*innen gibt:

Was wir gemeinsam auf der Arbeit tun müssen, ist zusammen zu halten. Was wir gemeinsam tun müssen, ist uns gegen den Klassenkampf der Bosse zu wehren! Was wir erreichen wollen, ist dass wir alle gemeinsam, du, ich, wir hier und alle anderen aus unserer Klasse endlich den Spieß umdrehen. Lasst uns angreifen! Wir wollen weniger Arbeitshetze! Wir wollen, dass die Reichen für die Krise bezahlen! Wir wollen weniger arbeiten! Wir wollen dafür vollen Lohnausgleich! Wir wollen dafür vollen Personalausgleich! Wir wollen mehr Freizeit und das alles für alle! Wir Arbeiterinnen und Arbeiter brauchen kämpferische Gewerkschaften! Organisiere dich bei uns in der FAU, kämpfen wir Seite an Seite, Schulter an Schulter!

Am Infotisch der FAU konnten die zahlreichen Interessierten unter anderem die aktuelle 1. Mai-Zeitung der Direkten Aktion mitnehmen. Wir führten an diesem Tag viele Gespräche über aktuelle Arbeitskonflikte der FAU und wie wir vor Ort als Gewerkschaft aktiv sind. Die Besucher*innen unseres Infotisches nahmen sich ca. 100 Protestpostkarten zum Arbeitskonflikt bei Walther König mit.

Zum Abschluss der Kundgebung schickten wir noch solidarische Grüße an alle kämpfenden Arbeiter*innen weltweit unter dem Motto #1world1struggle – global mayday – und machten somit auch den internationalen Bezug des 1. Mai deutlich.

#ReinstateRichieVenton: IKEA wird von kraftvoller Protestbewegung „vermöbelt“

Ritchie Venton ist aktiver Gewerkschafter und arbeitet bei IKEA in Glasgow. Er wurde von IKEA schikaniert und entlassen, weil er sich für die Gesundheit und Sicherheit der IKEA-Arbeiter*innen während der Corona-Pandemie gewerkschaftlich eingesetzt hat.

Die IKEA-Arbeiter*innen erhoben Vorwürfe, dass das Unternehmen sie während der Corona-Pandemie nicht ausreichend schützt. Außerdem kürzte IKEA das Krankengeld der Arbeiter*innen.

Sofort nach der ungerechtfertigten Entlassung von Richie Venton organisierten die wütenden IKEA-Arbeiter*innen die ersten Proteste, die bald darauf zu einer kraftvollen Bewegung anwuchs. Eine Vielzahl an unterschiedlichen Aktivitäten setzten IKEA unter Druck: Direkter Protest und Flugblattverteilaktionen an einigen IKEA-Standorten in ganz Großbritannien; eine offensive Pressearbeit, die IKEA negative Schlagzeilen in den Medien einbrachte; Solidaritätsbotschaften von Arbeiter*innen und Gewerkschaften aus 4 Kontinenten sowie auf juristischem Wege ein Beschwerdeverfahren gegen die Entlassung von Ritchie wurden von den IKEA-Arbeiter*innen als die wichtigsten Faktoren für den Sieg benannt.

Ein multinationales Unternehmen, das sich über 40 Länder auf vier Kontinenten erstreckt, hat aufgrund der furchtlosen Bereitschaft eines Gewerkschaftsführers am Arbeitsplatz, im Namen seiner Mitglieder zurückzuschlagen, und vor allem aufgrund der Solidaritätsaktionen Hunderter treuer Gewerkschafter, die sich an öffentlichen Demonstrationen beteiligten, und Tausender, die sich auf verschiedene andere Weise an der Solidaritätskampagne beteiligten, an mehreren Fronten Niederlagen erlitten.“

IKEA knickte schrittweise unter dem Druck ein: Zunächst musste IKEA die reguläre Bezahlung der Arbeiter*innen im Krankheitsfall wieder hergestellen. Und dann auch Ritchie Venton nach ungerechtfertigter Entlassung wieder einstellen.

Und dies blieben nicht die einzigen Folgen dieses mehrmonatigen Kampfes: „In Gesprächen mit verschiedenen Gruppen von Gewerkschaftsaktivist*innen, die ihm eine so entschlossene und unschätzbare Solidarität entgegengebracht haben, hat Richie sich für die Bildung eines schottischen Arbeitersolidaritätsnetzwerks ausgesprochen, um die Unterstützung für die vielen anderen Gewerkschaftsvertreter*innen und ganze Belegschaften zu koordinieren, die Angriffen und der Notwendigkeit, sich zu wehren, ausgesetzt sein werden, während die Bosse und Regierungen versuchen, der Arbeiterklasse den Preis für zwei Viren auf den Rücken zu drücken: den Coronavirus und den Virus der kapitalistischen Rezession.“

Den ausführlichen Bericht (auf englisch) sowie weitere Infos findest du hier

(Solidaritätsbild vom 16.11.2020)

Erfolg im Pflege- und Betreuungsbereich

Der Fachkräftemangel im Pflege- und Betreuungsbereich ist schon längere Zeit kein Geheimnis mehr. Die großen Wohlfahrtsverbände sahen schon vor 10-15 Jahren voraus, dass bis 2020 nicht nur in ländlichen Regionen massiv Fachkräfte aus diesem Bereich fehlen werden – diese Entwicklung betrifft auch bevölkerungsreiche Ballungszentren wie die Region Stuttgart. Immer mehr nicht besetzte Arbeitsstellen bleiben natürlich auch den auf professionelle Unterstützung angewiesenen Menschen in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Betreuungseinrichtungen und deren Angehörigen nicht verborgen – von den direkt betroffenen Pflege- und Betreuungskräften ganz zu schweigen.

Dass die Situation für alle Betroffenen auf die ein oder andere Weise schwierig ist, steht fest:

-Für die auf Unterstützung angewiesenen Menschen ist sie oftmals schlicht und ergreifend gesundheitsgefährdent;

-Für die sich kümmernden Angehörigen ist es belastend, wenn Fragen auftauchen, ob der oder die Angehörige wohl noch gut versorgt ist in der Einrichtung;

-Das Pflege- und Betreuungspersonal erlebt den Personalmangel im Arbeitsalltag als aufreibend, höchst stressig und mit den eigenen ethischen Ansprüchen nicht mehr vereinbar. Die in den letzten Jahren und Jahrzehnten steigende Arbeitsverdichtung im sozialen Bereich wird dadurch noch einmal deutlich verschärft.

-Für immer mehr Menschen, die aktuell (noch) nicht auf die Betreuungs- und Pflegeleistungen angewiesen sind, wächst (sorgenvolle) Ungewissheit: Wie wird die Situation aussehen, wenn ich selbst ins Krankenhaus muss oder pflegebedürftig werde?

-Für die Unternehmensleitungen stellt sich die Lage ambivalent dar: Sie können einerseits Personalstellen aufgrund mangelnder (geeigneter) BewerberInnen nicht besetzen. Damit können sie für diese Zeiträume Personalkosten einsparen ¹. Andererseits wird die Situation des Fachkräftemangels für sie zunehmend lästig – wenn das Gewährleisten der Grundversorgung zum Problem wird. Wenn also der Betrieb der Einrichtung gefährdet wird. Oder wenn das angestellte Personal, die auf Unterstützung angewiesenen Menschen oder deren Angehörigen Druck auf die Unternehmensleitung ausüben.

Prekäre Arbeitssituationen aufgrund von Personalmangel müssen dabei nicht nur zu individuellen Kündigungen und damit Vereinzelung der Beschäftigten führen ². Mittels gemeinsam getragener Absprachen können stattdessen kollektiv Erfolge für das gesamte Personal erreicht werden, wie das Beispiel eines Mitglieds der FAU Stuttgart zeigt:

In einer sozialen Pflege- und Betreuungseinrichtung wurde die Arbeitssituation aufgrund der mehrere Monate andauernden personellen Unterbesetzung immer schwieriger: Permanenter Stress, eine hohe Arbeitsverdichtung und (daraus resultierend) ein hoher Krankenstand unter den KollegInnen waren neben dem Drei-Schicht-System Teil der Ausgangslage. Das es so nicht länger weitergehen konnte, stand fest. Die KollegInnen redeten miteinander über ihre Arbeitsbedingungen und über mögliche Schritte, wie sie handeln könnten. Auch die gewerkschaftliche Beratung und der Erfahrungsschatz der FAU Stuttgart halfen ihnen in dieser Situation weiter. Letztlich entschieden sich die KollegInnen einerseits für eine kollektive Überlastungsanzeige ³ (die von 90% der KollegInnen unterzeichnet war). Andererseits war eine durchdachte und gut vorbereitete Gesprächsstrategie für die anstehenden Treffen mit der Unternehmungsleitung wichtig.

Nach den Gesprächen zwischen Mitarbeitenden und Unternehmensleitung konnten einige Verbesserungen errungen werden: Mehr eingeplante Personalstellen, Ausweiten der Stellensuche und gleichzeitig attraktivere Rahmenbedingungen für potentielle BewerberInnen durch bessere Bezahlung aller und mehr Urlaubstage für Schichtarbeitende. Zusätzlich wurden Möglichkeiten erarbeitet, wie das Personal entlastet werden kann. Außerdem wurde eine weitere Stelle geschaffen im Bereich der Hauswirtschaft/Haustechnik, die für zusätzliche Arbeitsentlastung für das bisherige Personal sorgen soll. Diese neue Stelle konnte auch sofort besetzt werden.

Dass die Forderung nach mehr Arbeitsstellen bei Personalmangel und Arbeitsverdichtung keine einfache Lösung der Probleme darstellt, ist klar. Denn wenn es regional (sowie bundesweit) für die vielen unbesetzten Personalstellen im Pflege- und Betreuungsbereich zu wenig Fachkräfte gibt, können die Unternehmensleitungen auch durch größere und ehrliche Bemühungen nicht so einfach neues Personal finden. Wie das gerade beschriebene Beispiel vor Ort zeigt, braucht es kreative Lösungen – Voraussetzung dafür sind KollegInnen, die zusammen halten, sich absprechen und den Rückhalt einer Gewerkschaft im Rücken haben.

Fußnoten:
1: In vielen Bereichen im Pflege- und Betreuungsbereich stellen die Personalkosten der höchste Kostenfaktor für die Unternehmen dar.
2: Auch wenn viele Beschäftigte dies Option als (kurzfristigen) Ausweg als erstes in Betracht ziehen.
3: Mit einer Überlastungsanzeige kann formlos darauf hingewiesen werden, dass das vorgegebene Arbeitspensum aktuell nicht zu erfüllen ist.


Du hast Probleme auf der Arbeit? Du bekommst Deinen Lohn nicht? Du hast Fragen zu Deinem Arbeitsvertrag? Du möchtest Dich mit Deinen Kollegen organisieren? Du wurdest gekündigt?

Komm zur Gewerkschaftlichen Beratung!

Jeden 1. Mittwoch im Monat zwischen 19 und 20 Uhr findet im Stadtteilzentrum Gasparitsch die kostenfreie Beratung der Freien Arbeiter Union (FAU) Stuttgart für alle lohnabhängig Beschäftigte statt.

Mehr Infos: https://stuttgart.fau.org/events/gewerkschaftliche-beratung-2020-01-01/


 

Rückblick auf unsere Aktivitäten rund um den 1. Mai 2019

Aufmerksame LeserInnen konnten schon die Wochen vor dem 1. Mai einen Eindruck gewinnen, zu welcher Thematik die FAU Stuttgart zum internationalen Arbeiterkampftag dieses Jahr auf die Straße ging: „Weniger Vollzeit für alle – für die kollektive Arbeitszeitverkürzung“ – so lautete die Überschrift unseres Artikels in der 1.Mai-Sonderausgabe der FAU-Zeitung „Direkte Aktion“. Hunderte dieser Zeitungen wurden von uns schon im Vorfeld des 1. Mai an Privathaushalte verteilt und an verschiedenen Orten ausgelegt. Außerdem waren wir bei einem Infostand am Ostendplatz Mitte April persönlich ansprechbar. Interessierte PassantInnen konnten mit uns ins Gespräch kommen und sich Infomaterial zum gewerkschaftlichen Umgang mit Leiharbeit, Sexismus am Arbeitsplatz oder Selbstständigkeit mitnehmen.

Warum wir am 1. Mai auf die Straße gehen war das Thema zweier Diskussionsveranstaltungen. Sie fanden eine Woche vor dem 1. Mai in Tübingen und Stuttgart statt. Hier gingen wir genauer ein auf die Thematik „Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich“.

Am 1. Mai selbst war wie schon die letzten Jahre viel geboten: Zunächst die DGB-Gewerkschaftsdemonstration, auf der auch wir präsent waren. Danach folgte die Revolutionäre 1. Mai-Demonstration. Das diesjährige Motto lautete: „Kapitalimus hat keine Zukunft: Protest. Widerstand. Revolution“. Wie schon die letzten Jahre hielten wir einen Redebeitrag und gingen dabei auf unser diesjähriges Thema „Arbeitszeitverkürzung“ ein.

Nach der Demonstration lud das Stadtteilzentrum Gasparitsch zum 1.Mai-Fest ein. Bei Kaffee und Kuchen sowie warmen und kalten Speisen gab es ein buntes Programm aus Musik, Quiz, politischem Stadtteilspaziergang sowie Workshops. Die FAU Stuttgart bot am Nachmittag zwei Veranstaltungspunkte: Mit ihrem Workshop „Widerstand auf Arbeit jenseits von Streik“ gab es einen praktischen Zugang sich für bessere Arbeitsbedingungen einzusetzen. Und zusammen mit dem Frauenkollektiv Stuttgart blickten wir zurück auf den Frauenkampftag am 8. März 2019.

Parallel zu den Demos und Aktionen in Stuttgart beteiligten sich unsere Mitglieder aus Heilbronn und Tübingen jeweils vor Ort an diversen Aktionen.

Alles in allem ein gelungener Tag – wir sind gespannt was die nächsten Jahre bringen!

 

Weitere Bilder des Tages:

 

Bericht zur Beteiligung am Warnstreik des Öffentlichen Diensts

Da die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der Länder bis jetzt zu keinem Ergebnis gekommen sind, haben sich Mitglieder unseres Syndikats heute an den Warnstreiks beteiligt. Wir haben mit einem kleinen Block die Demonstration und Kundgebung begleitet, an der um die 1200 Menschen teilgenommen haben.

Vor Ort sind einige Teilnehmer der Demonstration neugierig auf uns zugekommen, was uns die Gelegenheit gegeben hat zu erklären, was uns als FAU ausmacht. Als selbstorganisierte Basisgewerkschaft von Lohnabhängigen streben wir danach, unsere Arbeits- und Lebensbedingungen zu verbessern. Das schaffen wir durch gegenseitige Hilfe im Alltag und gewerkschaftliche Kämpfe. Wir streben danach, den Kapitalismus und das Patriarchat zu überwinden. Diese Kämpfe müssen ebenfalls gegen Rassismus und transnationale Ausbeutung gerichtet sein, da all diese Herrschaftsverhältnisse miteinander verwoben sind.
Unser Ziel ist die Befreiung von jeder Ausbeutung, Unterdrückung und Herrschaft. Streik, das Verweigern von (bezahlter oder unbezahlter) Arbeit, ist dabei unser wirksamstes Mittel. Nur durch kollektives Handeln können wir soziale Emanzipation und Selbstbestimmung erreichen.

Wir werden die Tarifverhandlungen weiterhin begleiten und erneut die Arbeit niederlegen und auf die Straße gehen, sollte es zu keiner angemessenen Einigung kommen.

Die FAU im Leudelsbachtal

Am Sonntag, den 14. Oktober trafen sich Mitglieder der FAU Stuttgart, sowie deren Freunde und Familien, um gemeinsam im Leudelsbachtal zu wandern und zu grillen. Diese Syndikatsausflüge organisiert die FAU Stuttgart zwei Mal im Jahr, wobei der eine eher einen Bildungscharakter hat und beim anderen mehr die Freizeit im Mittelpunkt steht. Dieses Mal kamen rund 20 KollegInnen zusammen, darunter einige aus Heilbronn. Besonders gefreut hat uns, dass es sich ein Kollege unserer französischen Schwestergewerkschaft CNT aus Straßburg nicht nehmen ließ, extra zu unserem Ausflug anzureisen. Zusammen mit unseren spanischen Mitgliedern ermöglichte dies interessante Gespräche unter ArbeiterInnen mit grenzenübergreifender Perspektive.

Vom Stuttgarter Hauptbahnhof ging es gemeinsam mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Markgröningen. Dort fing die Wanderung samt FAU-Fahne in das Naturschutzgebiet Leudelsbachtal an und führte bei bombastisch schönem Wetter am Bach entlang durch den Wald im Tal. Spontan beschloss die Ausflugsgruppe, die Wanderung ein wenig zu verlängern, und so ging es eine steile Kuppe hinauf, wo es oben angekommen eine erste Verschnaufspause mit tollem Ausblick gab. Der Rückweg führte danach über einen Trampelpfad durch eine kleine Schlucht hinunter und verlangte der Gruppe Trittsicherheit ab. Nach diesem kleinen Abenteuer ging es wieder im Tal gemächlich entlang zum nächsten, deutlich flacheren Aufstieg. Dort war nach insgesamt rund anderthalb Stunden Wanderung der Endpunkt mit Grillstelle und Ausblick auf den Hohenaspberg erreicht.

Ein mitgebrachter Sack Holzkohle, Holzwolle, dünne Hölzer, Papier und trockene Äste aus dem Wald wurden rasch zu einem Feuer gemacht. Die Hitze der Glut hatte zwar mit überraschend starkem Wind auf der Hochfläche zu kämpfen, reichte aber am Ende, als alle Kohle darauf war, aus, um in zwei Durchläufen allen Anwesenden ihr reichlich vorhandenes Essen zu grillen. Die drei vorhandenen Tische reichten aus, damit die Gruppe gemütlich Platz fand und bei leckerem Essen und Getränken ungezwungene und unterhaltsame Gespräche führen konnte. Eine Hängematte und eine Slackline luden zum Verweilen beziehungsweise zur Akrobatik ein. Am frühen Abend klang der schöne Tag langsam aus und die Gruppe fuhr ab einer nahegelegenen Bushaltestelle wieder zurück nach Stuttgart.

Bericht vom 42. Bundeskongress der FAU in Hannover 2018

Solidaritätsfoto der Delegierten zum 42. FAU Kongress im Jahr 2018 für die Burgerville Workers Union und #J20

Am vergangenem Wochenende fand in Hannover der 42. Bundeskongress der FAU statt. Daran nahmen etwa 80 Kollegen, darunter auch zwei Delegierte der FAU Stuttgart sowie Gäste befreundeter Organisationen, darunter die CNT aus Frankreich, die FOB aus Brasilien und das WAS aus Österreich teil. Auf dem Bundeskongress werden alle Beschlüsse unserer föderalen Struktur für die gesamte Organisation gefasst. Über die Entscheidungen wird dabei jedoch stets in der Basis, also in den jeweiligen Syndikaten vor Ort, abgestimmt. So befasste sich im Vergleich zum letzten Jahr die FAU mit fast drei Mal mehr Anträgen und der Kongress gab einige Anträge zur finalen Abstimmung an die Syndikate zurück. Damit wurde ein immenses Arbeitspensum im vorgegebenen Zeitrahmen konstruktiv und ergebnisorientiert bewältigt.

Mit einer effektiven Durchführung dank der Struktur des Kongresses, einer guten Vorbereitung sowie der verantwortungsvoll erledigten Arbeit der mit Aufgaben betreuten Kollegen, konnten die Formalitäten wie Entlastungen und Neuwahlen an weniger als zwei Vormittagen schnell erledigt werden. Damit war genügend Zeit, um in Arbeitsgruppen neue Ideen und Möglichkeiten in verschiedenen Bereichen auszuloten. Die Delegierten der FAU Stuttgart nahmen aufgrund ihres Mandats an den Arbeitsgruppen Industrie 4.0, Gewerkschaftliche Beratung, Stadtteilkämpfe und Organisierung im ländlichen Raum teil. Darüber hinaus gab es Beteiligung an den Workshops zur Solidarität mit Rojava/Nordsyrien, Branche Bildung, Jugend und zum Weiteraufbau unserer erst kürzlich neu gegründeten Internationalen Arbeiter*innen Konföderation.

Schon im Vorfeld wurde die Gründung der bundesweit arbeitenden AG fem*fau entschieden und diese nahm am Kongress ihre Arbeit auf. Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit der konkreten Einbeziehung feministischer Positionen und Inhalte für die gewerkschaftliche Praxis. Die FAU sieht dies von herausragender Bedeutung, denn die aktuellen gesellschaftlichen Verhältnisse können gar nicht verstanden werden, ohne die Rolle des Patriarchats, das heißt gesellschaftliche Abwertung sowie Herrschaftsausübung aufgrund von (auch zugeschriebenem) Geschlecht, miteinzubeziehen. Diesen Umstand anzuerkennen und in unserer alltäglichen gewerkschaftlichen Praxis zu berücksichtigen sowie ein stetige Überprüfung von Theorie und Praxis zum Thema muss das Ziel praktischer und revolutionärer Gewerkschaftsarbeit sein.

Bericht vom 1. Mai

Zum diesjährigen 1. Mai mobilisierte die FAU Stuttgart unter dem Motto »Ob Leiharbeit, Befristung oder Minijob – Beschissene Arbeitsverhältnisse bekämpfen!« und thematisierte damit die zunehmende Prekarisierung von Arbeitsbedingungen.  Bereits im Vorfeld wurden hunderte Flugblätter und Sonderausgaben der Direkten Aktion verteilt. Darüber hinaus organisierte die FAU Stuttgart Vorträge in Ludwigsburg, Reutlingen und Stuttgart zum Thema »Warum gehen wir am 1. Mai auf die Straße?«, mit denen nicht nur in der Region zum 1. Mai mobilisiert wurde, sondern auch unsere Inhalte unter die Leute gebracht werden konnten.

Der 1. Mai selbst begann mit der Gewerkschaftsdemonstration, für die sich sozialistische Gruppen und Organisationen verschiedentlichster Couleur am Marienplatz sammelten. Von dort zog dann die Demonstration über die Tübinger- und Hauptstädterstraße am Schlossplatz vorbei, wo ein großer Teil der Demonstration abbog, um an der Revolutionären 1. Mai Demonstration im Anschluss teilzunehmen. Den Auftakt am Schlossplatz bildete die Rede der FAU Stuttgart, in der basierend auf unserer 1. Mai Kampagne auf die Prekarisierung der Arbeitsbedingungen und die Wichtigkeit sich zu organisieren eingegangen wurde.

Rede der FAU Stuttgart am 1. Mai 2018

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Bericht vom Ausflug in die Ausstellung „Kessel unter Druck“

Gemeinsames Essen nach dem AusflugDie FAU Stuttgart organisiert mehrmals jährlich Syndikatsausflüge, zu denen neben den Mitgliedern und deren Angehörigen auch Freundinnen und Freunde der FAU Stuttgart eingeladen sind.

So trafen sich rund 15 Leute am frühen Sonntag Nachmittag bei der S-Bahn-Haltestelle Bad Cannstatt. Ziel war die Ausstellung »Kessel unter Druck. Protest in Stuttgart 1945-1989« im nahe gelegenen Stadtarchiv.
Fotos von Protestaktionen und Originaldokumente wie Plakate, Flyer oder Wandzeitungen vermittelten einen authentischen Einblick in die vielfältige Protestkultur. Sie reichte von Teuerungsprotesten der 40er-Jahre und Gewerkschaftskundgebungen über Anti-Kriegsproteste und Kämpfen für eine lebenswertere Stadt bis hin zu Themen wie Umwelt, Internationalismus, Anti-Atomkraft, Frauen-Schwulen-Lesben-Bewegung oder Antifaschismus. Die BesucherInnen unterschiedlichen Alters kamen beim Rundgang durch die Ausstellung ins Gespräch, konnten zum Teil von ihrer Teilnahme an ausgestellten Protestaktionen berichten oder zogen Vergleiche zur heutigen Protestkultur in Stuttgart.

Im Anschluss an den Ausstellungsbesuch ging es zum Stadtteilzentrum Gasparitsch. Unter freiem Himmel bei sonnig-warmen Frühlingswetter saßen die Anwesenden zusammen. Bei selbst gemachtem spanischem Essen und Kuchen klang der Ausflug mit vielen Gesprächen in gemütlicher Atmosphäre aus.

Solidaritätsfoto für Jorge und PabloZum Ende hin sprach ein Kollege über das Schicksal von Jorge und Pablo, denen der Prozess gemacht werden soll, mit dem Vorwurf weil sie sich als Streikposten bei einem Generalstreik beteiligt haben. Um ihre Solidarität auszudrücken, wurde von einigen Anwesenden ein Solidaritätsfoto gemacht und der Gewerkschaft von Jorge und Pablo (CNT Logroño) geschickt.

Erfolgreich Urlaubsgeld erkämpft

Unser Mitglied Joni arbeitete rund ein halbes Jahr auf Minijobbasis als Leiharbeiter für eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn AG. Die Leiharbeits­firma erwies sich als sehr kreativ, wenn es darum ging den bezahlten Urlaub zu vermeiden. Unter anderem wurde von der Personalabteilung der telefonisch beantragte Urlaub umgewandelt in »will in der Woche nicht arbeiten«.

Als unser Mitglied dann schließlich das Arbeitsverhältnis beendete und abermals nachdrücklich das Urlaubsgeld einforderte, passierte immer noch nichts. Daraufhin wandte er sich an seine Gewerkschaft, die FAU Stuttgart. Als sich schließlich das Allgemeine Sekretariat mit der Leiharbeits­firma in Verbindung setzte und diese aufforderte das Urlaubsgeld auszuzahlen, kam dieses der Forderung nach und zahlte den ausstehenden Betrag von knapp 250€.

Nikola Hecker von der FAU Stuttgart meint dazu: »Es hat sich auch in diesem Fall gezeigt, dass es sich lohnt sich gemeinsam zu wehren. Gerade Minijobber wissen oft nicht um ihre Rechte und das nutzen natürlich viele Unternehmen aus. Es trifft sich daher gut, dass wir mehrere hundert Broschüren zu den Rechten von Minijobber geordert haben, die wir bei kommenden Infoständen und Verteilaktionen unter die Leute bringen werden.«