Gewerkschaftliche Beratung – es lohnt sich!

Vor kurzem haben wir eine Angestellte im Einzelhandel beraten, die nur einen weiteren befristeten Arbeitsvertrag vom Vorgesetzten erhielt. Als sie ihm gegenüber die gewerkschaftliche Beratung erwähnte und auf einen unbefristeten Arbeitsvertrag bestand, bekam sie ihn.

Kommt zur gewerkschaftlichen Beratung.

Aktuelles zur gewerkschaftlichen Beratung während der Corona-Pandemie:

Unsere kostenfreie gewerkschaftliche Beratung bieten wir weiterhin an – jeden 1. Mittwoch im Monat von 19-20 Uhr im Stadtteilzentrum Gasparitsch (Rotenbergstr. 125 in Stuttgart-Ost). Wenn du zur gewerkschaftlichen Beratung kommen willst, melde dich bitte per e-mail an (faus-beratung@fau.org).

Manchmal müssen Fristen eingehalten werden (z.B. bei Kündigungen), melde Dich daher am besten so schnell wie möglich per Mail. Bitte bringe alle Deine Unterlagen (z.B. Arbeitsvertrag, Kündigungsschreiben, Briefwechsel etc.) mit.

Wenn du nicht persönlich vorbeikommen kannst oder möchtest, hast du die Möglichkeit uns auf dem Gewerkschaftshandy unter 0160 95197714 zu kontaktieren – jeden 1. Mittwoch im Monat von 19-20 Uhr in der telefonischen Beratung. Und außerhalb dieser Zeit kannst du uns eine Nachricht schicken (SMS, WhatsApp, Telegram).

Eine Beratung per e-mail ist ebenfalls möglich (faus-beratung@fau.org).

[11.10.] Solidarität mit den streikenden Kolleg*innen in Italien

Italien: Landesweiter Generalstreik gegen Entlassungen und sozialen Kahlschlag

Unsere Schwestergewerkschaft Unione Sindacale Italiana (USI) und weitere Basisgewerkschaften in Italien organisierten heute am 11.10.2021 einen 24-stündigen landesweiten Generalstreik im privaten und öffentlichen Sektor.

Solidarieta con i lavoratori in siopero! Solidarität mit den streikenden Kolleg*innen!

Das Allgemeine Syndikat Stuttgart schickt solidarische Grüße an euch Streikende. Als Zeichen unserer internationalen Klassensolidarität haben wir heute vor dem italienischen Generalkonsulat in Stuttgart die Forderungen der Streikenden übermittelt.

Im Folgenden findest du die Hintergründe des Generalstreiks sowie die Forderungen der Streikenden:

In den letzten Monaten haben mehr als 900.000 Arbeiter*innen ihren Arbeitsplatz verloren. Dies geschieht im Einvernehmen der Mainstream-Gewerkschaften und ist untrennbar mit den kapitalistischen Umstrukturierungsplänen der Bosse durch die Direktiven der Draghi-Regierung und der Europäischen Union verbunden.

Die Covid-19-Pandemie hat bis heute verheerende soziale Auswirkungen auf die Gesundheit sowie auf die Lebens-, Arbeits- und Lohnbedingungen. Ungeachtet dessen hat dies die Bosse nicht daran gehindert, die Ausbeutung im privaten und öffentlichen Sektor zu steigern: Produktionsraten und Kontrollen in Fabriken haben zugenommen, während die wildesten Formen der Prekarität alltäglich geworden sind. Unternehmen nutzen die für sie oft nur scheinbar reale Ausrede eines Abschwungs, um das Gespenst von Massenentlassungen zu schüren. Ihr wahres Ziel ist es, die Produktion auszulagern und/oder eine Belegschaft, deren Arbeitsbedingungen garantiert sind, durch überausgebeutete und unterbezahlte Jugendliche zu ersetzen.

Die Pandemie hat den Zusammenbruch des Gesundheitssystems durch eine jahrzehntelange Kürzungs- und Privatisierungspolitik sowie die Zerstörung sozialer Dienste (Bildung, Verkehr, Kinderbetreuung etc.) dramatisch offengelegt. Die Regierung Draghi ist weit davon entfernt, diesen Trend umzukehren. Im Gegenteil: Die Regierung beschleunigt ihn, wie die Deregulierung der Auslagerung von Dienstleistungen und die Verwendung der EU-PNRR-Wiederherstellungsfonds zeigen. Die meisten davon werden an Chefs und Spekulant*innen verteilt, die selbst die Hauptschuldigen der Wirtschaftskrise und der gesundheitlichen und sozialen Katastrophe sind, welche wir in den anderthalb Jahren der Pandemie erlebt haben.

Die staatliche Unterdrückung von Streiks und sozialen Kämpfen hat mit Polizeiangriffen und Gewalt, Geldstrafen und Festnahmen unerträglich zugenommen. Dies hat tatsächlich als Freifahrtschein für Firmenschläger*innen gedient, um gegen Arbeiter*innen und Gewerkschaftsaktivist*innen vorzugehen. In den letzten Wochen gab es viele solcher Fälle von gewalttätigen Angriffen, die in der Ermordung des Gewerkschafters Adil Belakhdim gipfelten.

Angesichts dieses Szenarios ist eine entschlossene, gemeinsame und koordinierte Reaktion auf nationaler Ebene dringend erforderlich. Aus diesem Grund riefen Basisgewerkschaften für heute (11. Oktober 2021) zu einem eintägigen Generalstreik im privaten und öffentlichen Sektor auf.

Bis zu diesem Tag arbeiteten sie daran, mit Versammlungen und Aktionen am Arbeitsplatz und in den Vierteln einen echten und dauerhaften Ausnahmezustand aufzubauen. Ihr Ziel ist es, all jene Bewegungen und sozialen Sektoren zu mobilisieren, die sich den Plänen der Überausbeutung, Prekarität, Arbeitslosigkeit, sozialen und ökologischen Verwüstung widersetzen, welche die Bosse national und international diktieren. Aus diesem Grund bekennen wir uns zum Aufbau einer Protestbewegung gegen das G-20-Treffen in Rom Ende Oktober.

Forderungen des Generalstreiks:

– Ein Ende der Angriff auf Arbeitsplätze und Löhne – keine Entlassungen mehr. Verringerung der Arbeitsstunden ohne Lohnkürzungen, um Arbeitsplatzverluste zu vermeiden.

– Wiederherstellung der Kaufkraft der Löhne. Erhebliche Lohnerhöhungen und die Einführung eines Mechanismus zum Schutz der Löhne vor Inflation.

– Erhalt des Einkommens durch eine garantierte Durchschnittszahlung für Arbeitslose. Kostenloser und allgemeiner Zugang zu sozialen Dienstleistungen und ein einheitliches Leistungssystem, das den Erhalt von Einkommen und Zahlungen sicherstellt.

– Verhinderung von Prekarisierung und Ausbeutung. Aufhebung des Beschäftigungsgesetzes. Verbot von Outsourcing und Arbeitsdumping. Umsetzung entschiedener Maßnahmen, um den wahllosen Einsatz prekärer Verträge zu verhindern.

– Erhöhung der öffentlichen Investitionen in Schulen, Gesundheit und Verkehr. Stopp von Privatisierungen, Kommerzialisierung und die Zerstörung wesentlicher öffentlicher Dienstleistungen, grundlegender Sektoren, öffentlicher Versorgungseinrichtungen und der Infrastruktur. Verhinderung der Umsetzung unterschiedlicher Projekte nach Regionen und der derzeitigen Formen der Regionalisierung, für gleiche Rechte und Dienstleistungen im ganzen Land.

– Einführung einer echten Gewerkschaftsdemokratie und Beendigung des Monopols der Mainstream-Gewerkschaften. Den Arbeiter*innen die Möglichkeit zu entscheiden, wer sie vertreten soll. Verteidigung des Streikrechts und Aufhebung aller repressiven Gesetze, die die Auswirkungen von Streiks untergraben und einschränken, allen voran das sogenannte Salvini-Dekret.

– Stärkung der Arbeitssicherheit, der Inspektionssysteme und der Rolle des RLS.

– Schutz von Wanderarbeiter*innen und Ausstellung von Aufenthaltstiteln für alle Migrant*innen.

– Beendigung der geschlechterspezifischen Diskriminierung und Verwirklichung einer echten Gleichstellung bei Löhnen, Beschäftigung und FLINTA-Rechten am Arbeitsplatz und in der Gesellschaft.

– Schutz der Umwelt. Verbot schädlicher Produktion und spekulativer Großprojekte.

– Absage des G-20-Treffens in Rom und des heuchlerischen Laufstegs der Weltbosse, für Einheit und internationale Solidarität zwischen den Kämpfen der Arbeiter*innen und der Ausgebeuteten

Eindrücke vom Syndikatsausflug 2021

Mitte Juli fand unser Syndikatsausflug 2021 statt. Mitglieder, Interessierte, Kolleg*innen und Freund*innen trafen sich in Kirchentellinsfurt (zwischen Tübingen und Reutlingen). Gemeinsam unternahmen wir eine kleine Wanderung und trafen dabei auf ein römisches Grabmal und das Schloss Einsiedel. Unser Ziel war der Kirchentellinsfurter Baggersee. Dort verbrachten wir den sonnigen Nachmittag mit Baden und Grillen in geselliger Runde.

Bericht von der 1. Mai-Kundgebung in Stuttgart-Ost

Zum diesjährigen Arbeiter*innenkampftag beteiligte sich die FAU Stuttgart an der Kundgebung „#Solidarität – für ein solidarisches Miteinander“ in Stuttgart-Ost und steuerte zum 1.Mai-Fest des Stadtteilzentrum Gasparitsch einen Online-Vortrag bei.

Über 100 Menschen kamen zur Kundgebung am Lukasplatz. Mehrere Redebeiträge wechselten sich ab mit dem stimmungsvollen musikalischen Programm der Saxophonistin Moni Ramoni und sorgten für eine abwechslungsreiche Atmosphäre.

Der Redebeitrag der FAU Stuttgart schlug den Bogen vom historischen Ursprung des 1. Mai als Kampftag der Arbeiter*innenbewegung für den 8-Stunden-Tag hin zur Gegenwart unter dem Motto »30-Stunden-Woche für alle!«, das heißt weniger arbeiten, aber gleich viel verdienen um unsere Ausbeutung durch die kapitalistische Klasse zu begrenzen. In Zeiten der Corona-Pandemie verschärften sich unsere Arbeitszeitbedingungen, so der Redner der FAU Stuttgart: „Geradezu massenhaft stürzten sich die Chefs auf die Möglichkeit, Arbeiter*innen zeitweise nach Hause zu schicken. Dafür gab es Geld von der Arbeitsagentur, also vom Staat. Diejenigen von uns, die während dieser Zeit auf Arbeit waren, mussten oft das Doppelte leisten. Dies ist Klassenkampf, aber das ist der von oben, das ist der Klassenkampf gegen uns: Die Chefs lassen uns in weniger Zeit mehr schuften und kriegen dafür über den Staat also noch unser Geld ins Maul gestopft. Was kommt dabei raus? Richtig! Fette Gewinne zum Jahreswechsel – wie zum Beispiel beim Daimler hier in Stuttgart. Das ist nicht das, was wir wollen!

Er machte aber auch klar, dass wir dies nicht einfach so hinnehmen müssen und es Alternativen zu diesen Methoden der Chef*innen gibt:

Was wir gemeinsam auf der Arbeit tun müssen, ist zusammen zu halten. Was wir gemeinsam tun müssen, ist uns gegen den Klassenkampf der Bosse zu wehren! Was wir erreichen wollen, ist dass wir alle gemeinsam, du, ich, wir hier und alle anderen aus unserer Klasse endlich den Spieß umdrehen. Lasst uns angreifen! Wir wollen weniger Arbeitshetze! Wir wollen, dass die Reichen für die Krise bezahlen! Wir wollen weniger arbeiten! Wir wollen dafür vollen Lohnausgleich! Wir wollen dafür vollen Personalausgleich! Wir wollen mehr Freizeit und das alles für alle! Wir Arbeiterinnen und Arbeiter brauchen kämpferische Gewerkschaften! Organisiere dich bei uns in der FAU, kämpfen wir Seite an Seite, Schulter an Schulter!

Am Infotisch der FAU konnten die zahlreichen Interessierten unter anderem die aktuelle 1. Mai-Zeitung der Direkten Aktion mitnehmen. Wir führten an diesem Tag viele Gespräche über aktuelle Arbeitskonflikte der FAU und wie wir vor Ort als Gewerkschaft aktiv sind. Die Besucher*innen unseres Infotisches nahmen sich ca. 100 Protestpostkarten zum Arbeitskonflikt bei Walther König mit.

Zum Abschluss der Kundgebung schickten wir noch solidarische Grüße an alle kämpfenden Arbeiter*innen weltweit unter dem Motto #1world1struggle – global mayday – und machten somit auch den internationalen Bezug des 1. Mai deutlich.

Online-Vortrag zum Thema „Anarchosyndikalismus“

Zum 1. Mai-Fest 2021 des Stadtteilzentrums Gasparitsch steuert die FAU Stuttgart folgenden Online-Vortrag bei:

Link zum Video: https://youtu.be/2XZeH3S-MmM

Der anarchistische Syndikalismus ist eine Strömung in der Gewerkschaftsbewegung, welche die Selbstorganisation der Arbeiter*innen, ihre Autonomie gegenüber Staat und Parteien und den Föderalismus betont. Mit ihm werden die direkte Aktion als Methode bevorzugt, die Ermächtigung der Arbeiter*innen und die Herausbildung ihres Bewusstseins befördert. Anarchistische Syndikalist*innen gehen dabei von einem weiten Klassenbegriff aus, unter dem sich Lohnabhängige aus unterschiedlichen sozialen Situationen und Positionen in der Klassengesellschaft zusammenschließen können. Dabei dienen die Syndikate zugleich als Kampforganisationen und Keimzellen der angestrebten Gesellschaft und versuchen sie somit bereits im Hier&Jetzt zu verwirklichen.

Die FAU Stuttgart am 1. Mai 2021

+++ Kundgebung +++ Online-Vortrag +++ Essen to go +++

Der erste Mai ist seit jeher der wichtigste Aktionstag der Arbeiter*innenbewegung, einst ins Leben gerufen als Kampftag für den 8-Stunden-Tag. Auch dieses Jahr wollen wir deshalb für Arbeitszeitverkürzung auf die Straße gehen unter dem Motto »30-Stunden-Woche für alle!«

Am 1. Mai werden wir uns an der Kundgebung „#Solidarität – Für ein solidarisches Miteinander“ auf dem Lukasplatz in Stuttgart-Ost beteiligen – zusammen mit den anderen Gruppen aus dem Stadtteilzentrum Gasparitsch.

14 Uhr: Infotische
15 Uhr: Kundgebung mit Programm und Live-Musik
Online-Vortrag zu Syndikalismus: Anschaubar auf youtube

14.30-18.30 Uhr: to go-Stand am Stadtteilzentrum Gasparitsch (Rotenbergstr. 125 in Stuttgart-Ost)
Neben Kaffee und Kuchen gibt es warmes Essen und Kits für Kinder, in denen ihr Sachen zum Ausmalen und Beschäftigen findet. Vor- und zubereitet von Mitglieder des Stadtteilzentrum Gasparitsch

Rückblick auf ein Jahr Gewerkschaftsarbeit unter Corona-Bedingungen

Die Corona-Pandemie hat in den letzten Monaten alle Lebensbereiche beeinflusst – so auch unsere Gewerkschaftsarbeit. Mit diesem Bericht wollen wir ein Zwischenfazit ziehen, für Nicht-Mitglieder einen Einblick in unsere Arbeit geben und alle motivieren selbst aktiv zu werden.

Aufgrund der Pandemie-Situation veränderten sich die Arbeitsabläufe an unseren Arbeitsplätzen zum Teil erheblich. Diese Entwicklungen wirkten sich auch auf unsere gewerkschaftliche Tagesarbeit aus und veränderten unsere Arbeitsschwerpunkte. Die Frage nach adäquaten Gesundheitsschutzmaßnahmen wurde zu einer zentralen Frage. Auch die Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf (ausgelöst z.B. aufgrund eingeschränkter Kinderbetreuungsangebote) rückte in den Vordergrund. Neben dem Gesundheitsschutz wurde von der Mehrheit der Mitglieder eine erhöhte Arbeitsbelastung bzw. Arbeitsverdichtung thematisiert – vereinzelt jedoch auch fehlende Arbeit (Kurzarbeit) und damit weniger Lohn.

In den letzten Monaten waren viele unserer Mitglieder infolge der Corona-Pandemie in ihren Betrieben aktiv um gemeinsam mit ihren Kolleg*innen wirksame Gesundheitsschutzmaßnahmen einzufordern – sei es im Metallbetrieb, Mehrpersonenbüro, Wohnheim für Menschen mit Behinderung oder im Bildungsbereich. Einige Mitglieder wehrten sich erfolgreich gegen die steigende Arbeitsverdichtung in ihren Betrieben. Anderswo setzten Mitglieder der FAU Stuttgart zusammen mit ihren Kolleg*innen das Recht auf Home Office für die Belegschaft durch oder begleiteten Schlichtungsverfahren nach einer unrechtmäßigen Kündigung.

Die gewerkschaftliche Beratungsarbeit verlagerte sich tendenziell weg von der offiziellen monatlichen gewerkschaftlichen Beratungssprechstunde hin zu Einzelberatungen unter Kolleg*innen im Betrieb sowie im Bekanntenkreis und Beratungen für Mitglieder zu ihrer Arbeitssituation in der Pandemie. Dennoch wendeten sich auch weiterhin neue Leute an unser monatliches gewerkschaftliches Beratungsangebot. Hier berieten wir nicht nur bezogen auf die bisherige Situation am Arbeitsplatz, sondern auch verstärkt bezüglich Kurzarbeit, Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder neuer Jobmöglichkeiten – eine weitere pandemiebedingte Veränderung.

Unsere Möglichkeiten der rechtlichen Beratung vor Ort haben wir ausgebaut, indem wir zu vergünstigten Bedingungen eine Kooperation mit einer Stuttgarter Anwaltskanzlei geschlossen haben. Somit haben wir neben der anwaltlichen Beratung der FAU Region Süd eine zusätzliche Anlaufstelle für rechtliche Beratung, die persönliche und längerfristig begleitende Unterstützung anbieten kann.

Die Corona-Pandemie hatte auch auf unsere internen Organisationsabläufe Auswirkungen.

Als im März die ersten Kontaktbeschränkungen verordnet wurden, haben wir unsere Kommunikationskanäle sofort auf Online-Betrieb angepasst, auch dank der schnellen und professionellen Unterstützung durch die bundesweiten FAU-Admins. So konnten wir weiterhin Vollversammlungen und Sekretariatstreffen mit vielen Leuten sicher umsetzen. Die gewerkschaftliche Beratung haben wir ausgebaut: Seit Frühjahr sind wir nun auch durch eine gewerkschaftliche Telefonnummer erreichbar. Und für den informellen Austausch der Mitglieder wurde eine Messenger-Gruppe eingerichtet.

In der Phase niedriger Infektionszahlen im Sommer konnten wir in einer Vollversammlung mit Hygienekonzept im Stadtteilzentrum Gasparitsch die Neuwahlen unseres Gewerkschaftssekretariats durchführen. Und wir experimentierten mit einer Mischung aus physischen Treffen mit der Möglichkeit online teilzunehmen. So konnten wir auch Leute mit einbeziehen, die entweder wegen gesundheitlicher Bedenken oder langem Anfahrtsweg nicht zum Treffen kommen konnten bzw. wollten. Beim Syndikatsausflug im Sommer 2020 für Mitglieder, Kolleg*innen, Freund*innen und Interessierte wanderten wir zum Bärensee und grillten anschließend gemeinsam.

Gemeinsames Grillen, sich austauschen und entspannen beim Syndikatsausflug

Intern haben wir unsere Organisationsstrukturen in den letzten Monaten umstrukturiert, sie flexibler und effizienter gestaltet. Dies war unabhängig von der Corona-Pandemie längerfristig schon geplant. So haben wir eine neue Geschäftsordnung für den Ablauf der Vollversammlungen erarbeitet. Vollversammlungen finden nun nicht mehr monatlich, sondern nur noch alle 3 Monate statt. Alle wichtigen und strategischen Entscheidungen werden in diesem Rahmen weiterhin basisdemokratisch von den Mitgliedern getroffen. Das Sekretariat hat im Rahmen seiner festgelegten Entscheidungsleitlinien die Aufgabe, zwischen den Vollversammlungen die organisatorischen Aufgaben der Gewerkschaft zu erfüllen und legt in den Vollversammlungen Rechenschaft darüber ab.

Uns ermutigt und bestärkt, dass in Zeiten verstärkt wahrnehmbarer pandemiebedingter Vereinzelung und wachsender Ohnmachtsgefühle das Allgemeine Syndikat (FAU) Stuttgart weiterhin handlungsfähig ist und in den letzten Monaten stetig neue Mitglieder dazugewinnen konnte.

Ein weiterer wichtiger Baustein unserer Gewerkschaftsarbeit bildet die Solidarität mit gewerkschaftlich Kämpfenden – nicht nur innerhalb der FAU sondern weltweit. Hier konnten wir finanziell und durch Öffentlichkeitsarbeit mehrere gewerkschaftliche Kämpfe unterstützen, zum Beispiel den Streik der Fabrikarbeiter*innen bei Valencia im Frühjahr 2020 oder den Streik der Erntehelfer*innen in Bornheim im Mai.

Protestbrief an das spanische Generalkonsulat Stuttgart

Sehr gefreut hat uns, dass es in Heidelberg seit 2020 wieder ein Syndikat der FAU gibt. Gewerkschaftsaktive der FAU Stuttgart hatten sich im Winter letzten Jahres mit der Initiativgruppe getroffen und mit ihnen im Gespräch geklärt, was sie zur Syndikatsgründung an organisatorischen Grundlagen und gewerkschaftlichem Know-how benötigen. In den vergangenen Monaten bis zur Gründung standen wir immer wieder online und auch persönlich in Kontakt mit ihnen und haben Fragen geklärt, Konzeptentwürfe gemeinsam diskutiert und auch bei ersten praktischen Schritten der Gewerkschaftsarbeit vor Ort unterstützt.

Abschließend können wir feststellen, dass die Corona-Pandemie verdeutlicht hat, dass der Arbeitsplatz als Ort des Kampfes für Verbesserungen und Ort des Austauschs und der Solidarität deutlich weniger Einschränkungen unterlegen war als andere Bereiche, von politischen persönlichen Treffen bis zu kollektiven Aktionen im öffentlichen Raum.

Des weiteren hat die Corona-Pandemie gezeigt, wie wichtig organisierte kämpferische und solidarische (Gewerkschafts-)Strukturen am Arbeitsplatz sind – nicht nur in prekären, schlecht bezahlten oder arbeitsintensiven Jobs, sondern in jeder Branche.

Schließlich war für uns einmal mehr erfahrbar, dass konkrete materielle Verbesserungen für uns Lohnabhängige möglich sind – wenn wir Lohnabhängigen uns gemeinsam organisieren und aktiv werden.

Freie Arbeiter*innen Union Stuttgart – Die kämpferische Gewerkschaft
März 2021

#ReinstateRichieVenton: IKEA wird von kraftvoller Protestbewegung „vermöbelt“

Ritchie Venton ist aktiver Gewerkschafter und arbeitet bei IKEA in Glasgow. Er wurde von IKEA schikaniert und entlassen, weil er sich für die Gesundheit und Sicherheit der IKEA-Arbeiter*innen während der Corona-Pandemie gewerkschaftlich eingesetzt hat.

Die IKEA-Arbeiter*innen erhoben Vorwürfe, dass das Unternehmen sie während der Corona-Pandemie nicht ausreichend schützt. Außerdem kürzte IKEA das Krankengeld der Arbeiter*innen.

Sofort nach der ungerechtfertigten Entlassung von Richie Venton organisierten die wütenden IKEA-Arbeiter*innen die ersten Proteste, die bald darauf zu einer kraftvollen Bewegung anwuchs. Eine Vielzahl an unterschiedlichen Aktivitäten setzten IKEA unter Druck: Direkter Protest und Flugblattverteilaktionen an einigen IKEA-Standorten in ganz Großbritannien; eine offensive Pressearbeit, die IKEA negative Schlagzeilen in den Medien einbrachte; Solidaritätsbotschaften von Arbeiter*innen und Gewerkschaften aus 4 Kontinenten sowie auf juristischem Wege ein Beschwerdeverfahren gegen die Entlassung von Ritchie wurden von den IKEA-Arbeiter*innen als die wichtigsten Faktoren für den Sieg benannt.

Ein multinationales Unternehmen, das sich über 40 Länder auf vier Kontinenten erstreckt, hat aufgrund der furchtlosen Bereitschaft eines Gewerkschaftsführers am Arbeitsplatz, im Namen seiner Mitglieder zurückzuschlagen, und vor allem aufgrund der Solidaritätsaktionen Hunderter treuer Gewerkschafter, die sich an öffentlichen Demonstrationen beteiligten, und Tausender, die sich auf verschiedene andere Weise an der Solidaritätskampagne beteiligten, an mehreren Fronten Niederlagen erlitten.“

IKEA knickte schrittweise unter dem Druck ein: Zunächst musste IKEA die reguläre Bezahlung der Arbeiter*innen im Krankheitsfall wieder hergestellen. Und dann auch Ritchie Venton nach ungerechtfertigter Entlassung wieder einstellen.

Und dies blieben nicht die einzigen Folgen dieses mehrmonatigen Kampfes: „In Gesprächen mit verschiedenen Gruppen von Gewerkschaftsaktivist*innen, die ihm eine so entschlossene und unschätzbare Solidarität entgegengebracht haben, hat Richie sich für die Bildung eines schottischen Arbeitersolidaritätsnetzwerks ausgesprochen, um die Unterstützung für die vielen anderen Gewerkschaftsvertreter*innen und ganze Belegschaften zu koordinieren, die Angriffen und der Notwendigkeit, sich zu wehren, ausgesetzt sein werden, während die Bosse und Regierungen versuchen, der Arbeiterklasse den Preis für zwei Viren auf den Rücken zu drücken: den Coronavirus und den Virus der kapitalistischen Rezession.“

Den ausführlichen Bericht (auf englisch) sowie weitere Infos findest du hier

(Solidaritätsbild vom 16.11.2020)

Corona-Update November 2020

Aktuell steigen die Corona-Infektionszahlen und es gelten strengere Kontaktbeschränkungen. Das heißt jedoch nicht, dass unsere gewerkschaftliche Tätigkeit zum Erliegen kommt. Wir sind weiterhin in unseren Betrieben aktiv, gewerkschaftlich handlungsfähig und ansprechbar für unsere Mitglieder sowie interessierte oder ratsuchende Nicht-Mitglieder. Wenn du Probleme auf der Arbeit hast und/oder dich für deine Rechte und für Verbesserungen einsetzen willst, melde dich bei uns.

Unsere gewerkschaftliche Beratung bieten wir weiterhin an – unter Berücksichtigung der geltenden Corona-Regelungen – jeden 1. Mittwoch im Monat von 19-20 Uhr im Stadtteilzentrum Gasparitsch (Rotenbergstr. 125 in Stuttgart-Ost). Wenn du zur gewerkschaftlichen Beratung kommen willst, melde dich bitte per e-mail an (faus-beratung@fau.org). Wenn du nicht persönlich vorbeikommen kannst oder möchtest, hast du die Möglichkeit uns auf dem Gewerkschaftshandy unter 0160 95197714 zu kontaktieren – jeden 1. Mittwoch im Monat von 19-20 Uhr in der telefonischen Beratung. Und außerhalb dieser Zeit kannst du uns eine Nachricht schicken (SMS, WhatsApp, Telegram). Eine Beratung per e-mail ist ebenfalls möglich (faus-beratung@fau.org).