Rückblick auf unsere Aktivitäten rund um den 1. Mai 2019

Aufmerksame LeserInnen konnten schon die Wochen vor dem 1. Mai einen Eindruck gewinnen, zu welcher Thematik die FAU Stuttgart zum internationalen Arbeiterkampftag dieses Jahr auf die Straße ging: „Weniger Vollzeit für alle – für die kollektive Arbeitszeitverkürzung“ – so lautete die Überschrift unseres Artikels in der 1.Mai-Sonderausgabe der FAU-Zeitung „Direkte Aktion“. Hunderte dieser Zeitungen wurden von uns schon im Vorfeld des 1. Mai an Privathaushalte verteilt und an verschiedenen Orten ausgelegt. Außerdem waren wir bei einem Infostand am Ostendplatz Mitte April persönlich ansprechbar. Interessierte PassantInnen konnten mit uns ins Gespräch kommen und sich Infomaterial zum gewerkschaftlichen Umgang mit Leiharbeit, Sexismus am Arbeitsplatz oder Selbstständigkeit mitnehmen.

Warum wir am 1. Mai auf die Straße gehen war das Thema zweier Diskussionsveranstaltungen. Sie fanden eine Woche vor dem 1. Mai in Tübingen und Stuttgart statt. Hier gingen wir genauer ein auf die Thematik „Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich“.

Am 1. Mai selbst war wie schon die letzten Jahre viel geboten: Zunächst die DGB-Gewerkschaftsdemonstration, auf der auch wir präsent waren. Danach folgte die Revolutionäre 1. Mai-Demonstration. Das diesjährige Motto lautete: „Kapitalimus hat keine Zukunft: Protest. Widerstand. Revolution“. Wie schon die letzten Jahre hielten wir einen Redebeitrag und gingen dabei auf unser diesjähriges Thema „Arbeitszeitverkürzung“ ein.

Nach der Demonstration lud das Stadtteilzentrum Gasparitsch zum 1.Mai-Fest ein. Bei Kaffee und Kuchen sowie warmen und kalten Speisen gab es ein buntes Programm aus Musik, Quiz, politischem Stadtteilspaziergang sowie Workshops. Die FAU Stuttgart bot am Nachmittag zwei Veranstaltungspunkte: Mit ihrem Workshop „Widerstand auf Arbeit jenseits von Streik“ gab es einen praktischen Zugang sich für bessere Arbeitsbedingungen einzusetzen. Und zusammen mit dem Frauenkollektiv Stuttgart blickten wir zurück auf den Frauenkampftag am 8. März 2019.

Parallel zu den Demos und Aktionen in Stuttgart beteiligten sich unsere Mitglieder aus Heilbronn und Tübingen jeweils vor Ort an diversen Aktionen.

Alles in allem ein gelungener Tag – wir sind gespannt was die nächsten Jahre bringen!

 

Weitere Bilder des Tages:

 

Am 1. Mai auf die Straße für kollektive Arbeitszeitverkürzung!


Mehr als 100 Jahre nach den Kämpfen der Arbeiterklasse um den 8-Stunden-Tag, kommen Auseinandersetzungen um Arbeitszeit in gewerkschaftlichen und politischen Kämpfen wieder verstärkt eine große Bedeutung zu. Diese sind, wie auch Kämpfe um Lohn, Ausdruck des Interessenwiderspruchs zwischen der Klasse der Lohnabhängigen und der Klasse der Kapitalisten. Für Lohnabhängige ermöglicht eine Verringerung der Arbeitszeit (bei vollem Lohnausgleich) eine generelle Steigerung der Lebensqualität. Von Unternehmerseite aus besteht prinzipiell wenig Interesse an kürzeren Arbeitszeiten. Denn Arbeitszeitverkürzungen bei vollem Lohn- und Personalausgleich verringern das Angebot an billigen Arbeitskräften und damit auch die Macht der Unternehmen, Arbeitsbedingungen diktieren zu können. An dieser Logik hat sich bis heute nichts geändert.

Es überrascht daher nicht wirklich, dass es in den letzten Jahren immer wieder Forderungen von Arbeitgeberseite gab, Regelungen und Mindeststandards zur Arbeitszeit zum Nachteil der Lohnabhängigen aufzuweichen. Entsprechend gab es in den letzten Jahren einige medial viel beachtete Versuche von Arbeitgeberseite, diese Forderungen mit Hilfe der Politik in die Tat umzusetzen. Bekannte Beispiele sind das sogenannte „loi El Khomri“ in Frankreich, oder das neue Arbeitszeitgesetz in Österreich, die jeweils die maximale legale Wochenarbeitszeit auf 60 Stunden angehoben haben. Auch in Deutschland können durch das sogenannte „Pforzheimer Abkommen“ (2004) tariflich festgelegte Mindeststandards, insbesondere auch zur Arbeitszeit, temporär ausgehebelt werden. All diese Beispiele haben eines gemeinsam: es handelt sich um Angriffe der Unternehmer auf die Interessen der Lohnabhängigen. Und wo bleibt ihre Antwort?

Tatsächlich machte 2018 ein Tarifabschluss der IG Metall Schlagzeilen, mit dem (unter bestimmten Bedingungen) ein Recht auf eine Reduzierung der Arbeitszeit eingeführt wurde. Diese offensive Forderung nach Arbeitszeitverkürzung wurde (auch international) sehr positiv aufgenommen. Hierzulande, insbesondere innerhalb der Gewerkschaftslinken, gab es – bei allen positiven Aspekten – auch kritische Stimmen. Denn genau genommen handelt es sich dabei um ein individuelles Recht auf befristete Teilzeit. Die Arbeitszeitreduzierung erfolgt zum Großteil ohne Personal- und Lohnausgleich. Lediglich Personen, die in Schicht arbeiten oder Leute, die sich um kleine Kinder oder Familienangehörige kümmern, bekommen einen finanziellen Ausgleich. Die Reduzierung der Arbeitszeit Einzelner ist oft daran gekoppelt, dass ein bestimmter Anteil der KollegInnen mehr arbeitet. Anstatt kollektive Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich zu fordern, stehen sich nun also individuelle Interessen der ArbeitnehmerInnen gegenüber. Was können wir also tun?

Als kämpferische GewerkschafterInnen müssen wir endlich wieder in die Offensive gehen und reale Arbeitszeitverkürzungen fordern, d.h. kollektiv und bei vollem Lohn- und Personalausgleich. Wir sollten dabei nicht auf bessere Gesetze durch politische Parteien hoffen, denn wie die oben genannten Beispiele zeigen, entscheiden diese viel zu oft im Sinne der Unternehmensinteressen anstatt derer der ArbeiterInnen. Stattdessen sollten wir den gewerkschaftlichen Kampf in den Mittelpunkt stellen. Nur wenn wir gemeinsam und organisiert unsere Interessen gegenüber den Unternehmen vertreten, können wir dauerhafte Verbesserungen für alle erkämpfen.

Geht mit uns am 1. Mai auf die Straße für kollektive Arbeitszeitverkürzung! Ihr findet uns wie immer bei den schwarz-roten Fahnen.

10:00 Uhr: Gewerkschaftsdemo, Marienplatz
11:30 Uhr: Revolutionäre 1.Mai-Demonstration, Karlsplatz
14:00 Uhr: 1. Mai Fest im Stadtteilzentrum Gasparitsch, Stuttgart Ost

Wir sind Teil des Revolutionären 1. Mai Bündnis Stuttgart.

Bericht zur Beteiligung am Warnstreik des Öffentlichen Diensts

Da die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der Länder bis jetzt zu keinem Ergebnis gekommen sind, haben sich Mitglieder unseres Syndikats heute an den Warnstreiks beteiligt. Wir haben mit einem kleinen Block die Demonstration und Kundgebung begleitet, an der um die 1200 Menschen teilgenommen haben.

Vor Ort sind einige Teilnehmer der Demonstration neugierig auf uns zugekommen, was uns die Gelegenheit gegeben hat zu erklären, was uns als FAU ausmacht. Als selbstorganisierte Basisgewerkschaft von Lohnabhängigen streben wir danach, unsere Arbeits- und Lebensbedingungen zu verbessern. Das schaffen wir durch gegenseitige Hilfe im Alltag und gewerkschaftliche Kämpfe. Wir streben danach, den Kapitalismus und das Patriarchat zu überwinden. Diese Kämpfe müssen ebenfalls gegen Rassismus und transnationale Ausbeutung gerichtet sein, da all diese Herrschaftsverhältnisse miteinander verwoben sind.
Unser Ziel ist die Befreiung von jeder Ausbeutung, Unterdrückung und Herrschaft. Streik, das Verweigern von (bezahlter oder unbezahlter) Arbeit, ist dabei unser wirksamstes Mittel. Nur durch kollektives Handeln können wir soziale Emanzipation und Selbstbestimmung erreichen.

Wir werden die Tarifverhandlungen weiterhin begleiten und erneut die Arbeit niederlegen und auf die Straße gehen, sollte es zu keiner angemessenen Einigung kommen.

Öffentlicher Dienst im Streik – Hinweise für FAU-Mitglieder und Unorganisierte

Aktuell befinden sich die DGB-Gewerkschaften in Tarifauseinandersetzungen um den Tarifvertrag Öffentlicher Dienst der Länder. Im Zuge dessen wird bis zur nächsten Verhandlungsrunde zu bundesweiten Warnstreiks aufgerufen.

Die FAU Stuttgart beteiligt sich wie andere Syndikate kritisch-solidarisch an den Streiks. Mitglieder haben Anspruch auf Streikgeld, sofern sie an den Kundgebungen teilnehmen. Informiert euch über Höhe und Auszahlung bitte beim Syndikat.

In Stuttgart finden am Montag, den 25.02. ganztägig Aktionen statt. Dort wird es einen kleinen FAU-Block geben. Kommt gerne mit Fahnen und Westen. Unorganisierte können ebenfalls dem Streikaufruf folgen, informiert euch über die Rechtslage bitte per Mail ans Syndikat.

07:00 Uhr.: Öffnung Streiklokal (Willi – Bleicher-Haus, Willi-Bleicher-Str. 20, 70174 Stgt.)
09:00 Uhr: Streikversammlung
10:45 Uhr: Aufstellung zur Demo
11:00 Uhr: Start Demonstration
12:00 Uhr: Abschlusskundgebung auf dem Schlossplatz

Aufruf zum internationalen Frauenkampftag

 

Seit 1921 findet der internationale Frauenkampftag am 8. März statt. Damals wie heute kämpfen an diesem Tag Frauen weltweit gegen Unterdrückung, für Gleichberechtigung und Emanzipation. Nun feiert dieses Jahr zwar das allgemeine Wahlrecht auch für Frauen Jubiläum aber von Gleichberechtigung ist unsere Gesellschaft totzdem noch weit entfernt.

Kämpft mit uns und vielen anderen Frauen weltweit gemeinsam am 8. März für die Befreiung der Frau!

Es finden ab 16:30 Uhr Aktionen auf dem Schlossplatz statt und um 17:30 beginnt dort die Demo.

Hier gehts zum Aufruf des Frauenbündnis Stuttgart.

Eine Broschüre zu rechtlichen Fragen und Handlungsoptionen rund um den Frauenstreik findet Ihr bei der FAU Dresden.

English:

Take to the streets on 8th March!

As every year, the international women’s day will be celebrated on March 8. The date is marked by women who fight against oppression, for equality and women’s liberation.

Fight with us and millions of other women worldwide.

Actions will take place on Schlossplatz from 4:30 pm, the demonstration will begin there at 5:30 pm.

Français:

Appel à manifester pour la journée internationale des luttes des femmes!

Mobilisons-nous ensemble contre l’oppression, contre le patriarcat et pour la liberation de la femme!

Départ: Vendredi 8 mars à 16h30 à Schlossplatz, la manifestation commence à 17h30.

Solidarität mit der Kupferbaubesetzung!

Seit dem 29. November ist der Kupferbau, ein Gebäude der Universität Tübingen, besetzt.

Anlass der Besetzung ist die Beteiligung der Uni am sogenannten Cyber Valley Neckartal. Dabei handelt es sich um einen Forschungsverbund zu künstlicher Intelligenz, an dem — neben der Uni, der Stadt und dem Max-Planck-Institut — vor allem private Firmen beteiligt sind. Dazu zählen das Rüstungsunternehmen ZF Friedrichshafen,  Amazon, verschiedene Automobilkonzerne sowie die SCHUFA Holding AG.

Zusätzlich ist zu befürchten, dass das Cyber Valley durch die geplanten ca. dreitausend hochbezahlten Arbeitsplätze die gravierende Wohnungsnot in Tübingen noch verschärfen wird. Die Folgen betreffen also nicht nur Studierende, sondern alle Menschen, die in Tübingen wohnen.

Weitere Informationen und die Forderungen der Kupferbaubesetzung können hier nachgelesen werden.

 

Am 24.11. auf die Strasse gegen Gewalt an Frauen!

Der 25. November ist der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen. An diesem Tag gehen weltweit Frauen auf die Straße, um gegen jegliche Form der Diskriminierung sowie psychische und körperliche Gewalt gegenüber Frauen zu protestieren und über die Ausmaße aufzuklären.

Auch sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erleben Frauen überdurchschnittlich oft. Jedoch wird gerade dort oft geschwiegen, sei es aus Angst, schlecht aufzufallen oder aus Scham. Denn kaum ein Thema wird in der Arbeitswelt mit solch einem starken Tabu belegt.

Gegen Sexismus (nicht nur am Arbeitsplatz) vorzugehen ist nicht nur eine wichtige Aufgabe im Hier und Jetzt, sondern ein Bestandteil einer Emanzipation, die wir als Lohnabhängige nur gemeinsam angehen können. Wir müssen uns unserer Verantwortung bewusst sein und Respekt für uns und unsere KollegInnen einfordern.

Zu diesem Zweck wollen wir am Samstag, den 24. November (einen Tag vor dem 25. November) gemeinsam mit dem Frauenbündnis Stuttgart auf die Strasse gehen und rufen unsere Mitglieder zur Teilnahme an den Aktionen auf:

Samstag 24. November 2018, Rotebühlplatz in Stuttgart
16.00 Uhr Infotische
17.00 Uhr Kundgebung
18.00 Uhr Demonstration

Wir sehn uns auf der Straße!

Vortrag in Reutlingen und Tübingen mit Peter Nowak

Der Journalist Peter Nowak wird am 6. und 7. Juli in Reutlingen und Tübingen sein und dort jeweils zum Thema Arbeitskämpfe sprechen.

Veranstaltungstext:

Selbstbestimmte Arbeitskämpfe nach dem Ende der großen Fabriken oder das neue Gesicht der Arbeiter_innenbewegung

Mit Peter Nowak, Journalist

Oft wird behauptet, dass große Streiks und gesellschaftlich relevante Arbeitskämpfe in Zeiten, in denen zumindest in Ländern wie Deutschland die großen Fabriken auf dem Rückzug sind, der Vergangenheit angehören. Auf der Veranstaltung soll hingegen gezeigt werden, dass diese von vielen Medien verbreitete und auch bei Linken populäre These falsch ist. Der Journalist Peter Nowak und Herausgeber des im Verlag Edition Assemblage herausgegebenen Buches, „Ein Streik steht, wenn mensch ihn selber macht“, wird über die Veränderungen der Arbeitskämpfe sprechen, wenn zunehmend prekäre Kurierfahrer_innen, migrantische Logistikbeschäftigte, Jobber_innen in Spätverkäufen und prekäre Lohnabhängige in den Universitäten gegen ihre schlechten Arbeitsverhältnisse Widerstand leisten. Ein besoderes Augenmerk legt er auf die „Care“-Beschäftigten (also Beschäftigte in Pflege- und Sorgeberufen), die in den letzten Jahren in vielen Städten (auch in Reutlingen und Tübingen) für bessere Arbeitsverhältnisse kämpfen.

 

6. Juli 2018 19:00 Uhr
Kulturzentrum franz.K
Unter den Linden 23, Reutlingen

7. Juli 2018 16:30 Uhr
Wohnprojekt Ludwigstrasse 15
Ludwigstraße 15, Tübingen

 

Unterstützt durch die FAU Stuttgart

Solidarität mit der Wilhelm-Raabe-Str. 4

Bild: leerstandbeleben.bplaced.net

Am 28. April wurden in der Wilhelm-Raabe-Straße 4 in Stuttgart-Heslach zwei leerstehende Wohnungen besetzt. Etwa 200 Leute liefen mit Möbeln, Pflanzen und Geschirr ausgerüstet vor das Haus. Anschließend zogen zwei junge Familien in die leerstehenden Wohnungen ein. Dadurch wurde deutlich gemacht, dass es sich nicht um eine symbolische Aktion handelt. Die massive Wohnungsnot in Stuttgart trifft vor allem Geringverdienende und Familien mit Kindern und dass auf Versprechen von Seiten der Politik kein Verlass ist, dürfte mittlerweile mehr als klar sein.

Wir erklären uns daher solidarisch mit den Besetzer*innen der zwei Wohnungen und hoffen, dass angesichts des immensen Leerstands in Stuttgart diese Form der direkten Aktion Nachahmung findet.